Gesundheit

Schlechter Kristallzucker und guter Fruchtzucker?

Immer mehr Lebensmittel werden mit Fruchtzucker statt mit Kristall-/Haushaltszucker gesüßt. Der Fruchtzucker wird als der gesündere Zucker beworben - aber stimmt das wirklich?

Inhaltsverzeichnis

  1. Welche Zuckersorten gibt es?
  2. Wie wird Fruchtzucker beworben?
  3. Was halten die Gerichte von dieser Werbung?
  4. Was sagen die Wissenschaftler zum Fruchtzucker?
  5. Warum wird dann überhaupt mit Fruchtzucker geworben?
  6. Weblinks

Welche Zuckersorten gibt es?

Zunächst einmal sollte man die verschiedenen Zuckersorten unterscheiden:

Fruchtzucker (Fructose) ist ein sogenannter Einfachzucker. Er kommt in der Natur vor allem in Früchten und Honig vor und wird oft zum Süßen von Lebensmitteln für Diabetiker verwendet, da er den Blutzuckerspiegel nicht so ansteigen läßt wie Kristallzucker.

Traubenzucker (Glukose) ist auch ein Einfachzucker und kommt als der in der Natur meistverbreitete Zucker vor allem in Pflanzensäften, Früchten und Honig vor. Traubenzucker ist der wichtigste Energielieferant für den menschlichen Körper. Neben den roten Blutkörperchen und dem Nierenmark ist auch teilweise das Gehirn zur Energiegewinnung auf ihn angewiesen.

Kristall- oder Haushaltszucker (Saccharose) ist ein Zweifachzucker, der aus einer Verbindung von Fruchtzucker und Traubenzucker besteht. Kristallzucker wird gewöhnlich in jedem Haushalt zum Süßem von Getränken und Speisen eingesetzt. Industriell wird er vor allem aus Zuckerrüben und Zuckerrohr gewonnen.

Wie wird Fruchtzucker beworben?

Viele Unternehmen bewerben ihre Lebensmittel damit, daß sie statt Kristallzucker Fruchtzucker enthalten. Der Austausch des Kristallzuckers durch den Fruchtzucker wird oft damit begründet, daß der Fruchtzucker eine natürliche Süße aus Früchten sei. Viele Verbraucher werden dem gedanklich den Kristallzucker als ein künstliches Produkt aus der Raffinerie gegenüberstellen und daher annehmen, daß durch den Zuckeraustausch das Produkt natürlicher bzw. gesünder geworden sei. Beispielsweise wird die Süßspeise FruchtZwerge auf der Homepage unter der Rubrik Wissenswertes mit folgenden Argumenten beworben:

Was haben FruchtZwerge und Früchte gemeinsam? Ganz einfach: die Fruchtsüße. Denn FruchtZwerge ... wird kein Kristallzucker mehr zugesetzt. Stattdessen wird Traubenfruchtsüße hinzugefügt. FruchtZwerge sind damit das einzige Milchprodukt für Kinder mit der Süße aus Früchten. Und das Beste ist: Der Geschmack bleibt gleich.
Traubenfruchtsüße ist ein Dicksaft, der aus reifen Trauben gewonnen wird. Er besteht ... aus ... Fruchtzucker und Traubenzucker. ... Die süßen, reifen Trauben werden schonend gepresst.
Süßes ist bei Groß und Klein beliebt. Damit sie besser schmecken, wird den meisten Milchprodukten Kristallzucker zugesetzt. Anders bei FruchtZwerge: Durch den Einsatz der Traubenfruchtsüße wird der Kristallzucker nicht mehr benötigt.

Wie aus einem Gerichtsurteil (PDF, 358 KB) des OLG Wien hervorgeht, wurden die FruchtZwerge in Österreich in einem Fernsehspot so beworben:

Sohn: "Na Papa, wo ist denn der neue Fruchtzwerg, hmm?"
Vater: "Der ist es!"
Sohn: "Zucker! Schon wieder falsch! Das ist der Richtige!"
Sprecher im Hintergrund: "FruchtZwerge sind das einzige Kindermilchprodukt, das Zucker durch die Süße aus Früchten ersetzt."

Was halten die Gerichte von dieser Werbung?

Das OLG Wien verurteilte (PDF, 358 KB) die FruchtZwerge-Werbung als irreführend. Es werde der unrichtige Eindruck erweckt, daß das Produkt wegen des fehlenden Kristallzuckers einen besonderen ernährungsphysiologischen Wert besäße. Das sei aber nicht zutreffend. Fruchtzucker und auch Traubenzucker seien nämlich ebenso verantwortlich für Karies und Übergewicht wie Kristallzucker.

Was sagen die Wissenschaftler zum Fruchtzucker?

Wie erwähnt wurde, ist Fruchtzucker im Gegensatz zum Kristallzucker besonders vorteilhaft für Diabetiker. Wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen konnten, birgt Fruchtzucker aber auch spezielle Risiken:

In der Studie "Effects of dietary fructose on plasma lipids in healthy subjects" erhielt eine Gruppe von Männern und Frauen fünf Wochen lang Nahrungsmittel mit Fruchtzucker, eine andere Gruppe Nahrungsmittel mit Traubenzucker. Bei den männlichen Probanden der Fruchtzucker-Gruppe stellte man am Ende der Studie fest, daß die Menge von gesundheitsgefährdendem Cholesterin und Triglyceriden im Blut stark gestiegen war. Der Wert lag um 32 Prozent höher als bei allen anderen Probanden. Bei den weiblichen Probanden der Fruchtzucker-Gruppe konnten hingegen keine veränderten Werte gemessen werden. Auch bei allen männlichen und weiblichen Probanden der Traubenzucker-Gruppe hatten sich diese Werte nicht verändert.

Eine Kost, die reich an Fruchtzucker ist, läßt also die Blutfettwerte bei Männern stark ansteigen. Für Männer sei daher eine solche Art der Ernähung nicht empfehlenswert. Die erhöhten Blutfettwerte seien nämlich ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch gebe es eine Vielzahl von Hinweisen darauf, daß diese Blutfette zu Arterienverkalkung führten. Durch Arterienverkalkung besteht wiederum ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle.

In der Studie "Consuming Fructose-sweetened Beverages Increases Body Adiposity in Mice" standen hingegen Mäuse im Mittelpunkt. Die Mäuse hatten freien Zugang zu entweder Wasser, einem Getränk mit Fruchtzucker, einem Getränk mit Kristallzucker und einem Getränk mit künstlichem Süßstoff. Alle Mäusegruppen nahmen während der gesamten Studie die gleiche Kalorienzahl zu sich. Nach ungefähr zehn Wochen stellte man fest, daß die Fruchtzucker-Mäuse im Gegensatz zu den anderen Mäusen nicht nur stark an Gewicht in Form von Körperfett zugelegt hatten, sondern daß auch ihre Leber verfettet war. Und das, obwohl sie die gleiche Kalorienzahl zu sich genommen hatten wie die anderen Mäuse.

Es sei daher anzunehmen, daß aufgrund der besonderen Art, auf der der Organismus auf Fruchtzucker reagiere, auch beim Menschen der Verzehr von zu viel Fruchtzucker zu krankhaftem Übergewicht und Leberverfettung führe. Die Einlagerung von zu viel Fett in die Leber bedeutet beim Menschen oft den Anfang von Diabetes.

Die Pharmakologin Annette Schürmann vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam erklärt noch eine weitere Besonderheit von Fruchtzucker: Fruchtzucker löse kein Sättigungsgefühl aus. Kristallzucker beeinflusse über die Insulinausschüttung bestimmte Hormone, die dem Gehirn mitteilten: "Stop, ich bin schon satt!" Da dies bei Fruchtzucker nicht der Fall sei, verleite fruchtzuckerhaltige Nahrung dazu, mehr zu essen als der Appetit verlange. Auf lange Sicht führe dies zu Gewichtszunahme.

Sollte man jetzt kein Obst mehr essen? Schließlich enthält ja auch Obst Fruchtzucker. In der ersten oben genannten Studie wird darauf hingewiesen, daß man ohne Sorgen Obst essen könne. Der Anteil von Fruchtzucker in Obst und Gemüse sei nämlich sehr gering im Vergleich zu dem in Lebensmitteln und vor allem Getränken, denen Fruchtzucker künstlich zugesetzt werde. Die Pharmakologin Schürmann erläutert, daß z. B. 100 Gramm Zwetschgen nur 1,2 Gramm Fruchtzucker enthielten und 100 Gramm Birnen im Durchschnitt nur 6,8 Gramm. Wenige Eßlöffel Ketchup, der mit Fruchtzucker gesüßt worden sei, enthalte bereits deutlich mehr von der bedenklichen Süße.

Warum wird dann überhaupt mit Fruchtzucker geworben?

Trotz dieser Nachteile überwiegen für Lebensmittelhersteller folgende Vorteile durch den Einsatz von Fruchtzucker:

  • Fruchtzucker klingt gesünder als Kristall-/Haushaltszucker bzw. als Zucker. Nur wenige Verbraucher interessieren sich für die wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema Fruchtzucker.
  • Laut Wikipedia lasse sich Fruchtzucker günstig in Tankwagen transportieren, etwa in Form von mit Fruchtzucker angereichertem Maisstärkesirup. Er biete für industriell gefertigte Nahrungsmitteln somit einen logistischen und damit ökonomischen Vorteil.
  • Da Fruchtzucker zu keinem Sättigungsgefühl führt, wird man von einem Produkt tendenziell mehr verzehren, das mit Fruchtzucker statt mit Kristallzucker gesüßt worden ist. Die Verwendung von Fruchtzucker steigert damit den Absatz.

Weblinks

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